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Eine neue Saat, die in Form einer zarten, zweiblättrigen Pflanze aufgeht, symbolisiert Standhaftigkeit bei Krisen

Krise als Chance oder auch Mittel zur Macht

Blog von Natascha Koller, Gründerin und Leiterin der DAKOTA Akademie und Mentorin für Mindful Human Leadership

In jeder Krise liegt die Möglichkeit eines Neuanfangs. Im Chinesischen wird das Zeichen für „Krise“ oft als Kombination von „Gefahr“ und „Chance“ interpretiert. Diese Doppelbedeutung spiegelt wider, was viele von uns schon erlebt haben: Die tiefsten Stunden unseres Lebens können sowohl Herausforderungen als auch Katalysatoren für Wachstum sein.

Krise als Chance

Wenn wir uns in schwierigen Zeiten befinden, wird unser inneres Potenzial auf die Probe gestellt. Krisen fordern uns heraus, unser wahres Selbst zu entdecken und unsere Fähigkeiten sowie unsere Widerstandskraft zu stärken. Oft entstehen aus diesen Momenten kreative Lösungen und neue Wege, die wir in Zeiten des Wohlstands nie in Betracht gezogen hätten. Die Geschichte ist voll von Beispielen, in denen Individuen und Gemeinschaften gestärkt aus Krisen hervorgegangen sind, wie der Phönix aus der Asche.

Eine persönliche Krise, sei es privat oder beruflich, zwingt uns dazu, tief in uns hineinzuschauen und unsere Prioritäten neu zu ordnen. In diesen Momenten können wir lernen, was wirklich wichtig ist, und den Mut finden, notwendige Veränderungen vorzunehmen. Diese Transformation kann uns auf eine höhere Ebene des Bewusstseins und der Selbstverwirklichung führen.

Krise als Mittel zur Macht

Doch nicht jede Krise muss als Chance angesehen werden. Es gibt auch Krisen, die als Mittel zur Macht missbraucht werden. In solchen Situationen können Krisen dazu dienen, Machtstrukturen zu festigen oder zu stärken. Hier ist es wichtig, kritisch und wachsam zu bleiben.

Stell dir vor, du begegnest in der afrikanischen Wildnis einem Löwen und einer giftigen Schlange. Weder der Löwe noch die Schlange sind von Natur aus böse. Beide handeln nach ihren Instinkten und versuchen, in ihrem jeweiligen Lebensraum zu überleben. Wenn wir jedoch naiv genug wären zu glauben, dass wir beiden offenen Herzens und ohne Vorsichtsmaßnahmen begegnen können, würde das gefährliche Konsequenzen haben. Diese Tiere handeln nicht aus Bosheit, sondern aus einem natürlichen Überlebensinstinkt.

Was würdest du tun? Würdest du dem Löwen oder der Schlange unvorbereitet gegenübertreten und riskieren, verletzt zu werden? Wahrscheinlich nicht. Du würdest wachsam und vorsichtig sein, die Situation analysieren und sich entsprechend schützen. Ähnlich verhält es sich mit Machtstrukturen in der menschlichen Gesellschaft. Es ist nicht genug, nur die positiven Seiten einer Krise zu sehen; wir müssen auch verstehen, dass es Machtstrukturen gibt, die ihre eigenen Interessen im Visier haben und unsere Bedürfnisse vielleicht nicht berücksichtigen, obwohl es auch unser Lebensraum ist. Es ist lebenswichtig, auch für unsere eigenen Interessen einzustehen. Jeder Mensch hat das Recht, hier zu sein und Anspruch auf Nahrung und Freiheit zu haben. Wir sollten auch lernen, potenzielle Gefahren zu erkennen und darauf vorbereitet sein, mit Selbstverständlichkeit für unsere eigenen Grundbedürfnisse wie Freiheit und Fairness einzustehen – so wie das in der Wildnis täglich aufs Neue erprobt wird.

Intuition und Wachsamkeit

Wer schon einmal eine Safari in der Wildnis gemacht hat, kennt das beeindruckende Bild: Tiere wie Zebras, Giraffen und Gnus ziehen gemeinsam zur einzigen Quelle des lebensspendenden Wassers. Doch diese Quelle birgt auch Gefahren. Wer nicht achtsam ist, riskiert, den ersehnten Schluck Wasser nicht zu überleben. Raubtiere wie Löwen und Krokodile lauern auf unachtsame Momente. Doch sie handeln nicht aus Bosheit, sondern folgen dem ewigen Kreislauf der Natur – einem Kreislauf, den wir verstehen sollten.

Persönliche Erfahrung

Als ich zwei Jahre lang allein als Frau mit dem Rucksack eine Weltreise durch Süd- und Mittelamerika bis hinauf nach Seattle und durch arabische Länder und Israel machte, erlebte ich viele prägende und einschneidende Momente. Diese Reise stellte mich vor zahlreiche Herausforderungen. Zweimal wurde mir mein gesamtes Hab und Gut gestohlen – Rucksack, Geld, Pass – alles, was ich besaß. Diesen Herausforderungen zwangen mich, weise Entscheidungen zu treffen und meine Intuition zu schulen. Es gab verlockende Angebote in der Not, die so süß und harmlos schienen, aber auch viele gute Momente, in denen Menschen mir aufrichtig halfen.

Ich habe diese zwei Jahre Reisen durch Dschungel und Städte gut überstanden. Hätte ich meine anfängliche Naivität nicht überwunden und meine Intuition nicht geschärft, glaub mir, wäre das nicht so gut ausgegangen. Diese Zeit hat meine Intuition geschärft, und dafür bin ich heute sehr dankbar.

Natürlich gibt es auch Menschen mit schlechten Absichten. In solchen Situationen, die unsere Bedürfnisse und Werte bedrohen, ist besondere Wachsamkeit und die Bereitschaft, entschlossen zu handeln, erforderlich.

Der Weg der Entschlossenheit

Erinner dich an das Beispiel der Safari: Für manche Tiere kann Anpassung überlebenswichtig sein und gilt auch für uns Menschen. Diese Fähigkeit, sich anzupassen, ist eine innere Kraft und eine wichtige Strategie zum Überleben. Gleichzeitig ist es genauso wichtig, dass wir lernen, für uns selbst einzustehen. Alles zu seiner Zeit: Es bedarf der Weisheit, zu erkennen, wann Anpassung und wann Entschlossenheit gefragt ist. Dies erfordert, sich auf Augenhöhe zu begegnen und für die eigenen Bedürfnisse und Werte einzutreten.

Krisen als persönliche Herausforderung anzunehmen und gleichzeitig weise zu entscheiden, ob es angebracht ist, sich anzupassen oder auch einmal aufzustehen. Manchmal ist es notwendig, sich auch gegen die Kräfte, die Krisen ausnutzen, entschlossen zu stellen. Manchmal geht es auch darum, sich anzupassen. Dies herauszufinden liegt immer im eigenen Ermessen. Entschlossenheit kann auch einmal bedeuten, sich für Grundbedürfnisse wie Freiheit und Fairness stark zu machen, Missstände aufzudecken und sich gegen ungerechte Machtstrukturen zu behaupten. Bedenke: Wenn wir es nicht tun, wer sollte es dann tun?

Krisenmanagement ist mehr als nur das Durchstehen schwieriger Zeiten; es beinhaltet auch die Fähigkeit, Situationen zu analysieren, ethische Entscheidungen zu treffen und für das einzustehen, was richtig ist. Dies kann bedeuten, sich gegen Manipulationen zu wehren und sich mit anderen zusammenzuschließen, um gemeinsam stark zu sein.

DAKOTA Mindful Retreats-Angebote

Bei DAKOTA Mindful Retreats bieten wir Meditationsretreats und Übungswochenenden, inspiriert vom Zen, mit dem Ziel, deine Wachsamkeit und Aufmerksamkeit zu schärfen sowie deine Intuition zu stärken. Unsere Programme unterstützen dich dabei, Klarheit und Präsenz im Alltag zu finden und deine Resilienz zu fördern. Es geht darum, die transformative Erfahrung der Meditation zu erfahren und ein Werkzeug an die Hand zu bekommen, um den Herausforderungen des Lebens mit innerer Stärke, Intuition und Gelassenheit zu begegnen.


team dakota Natascha Koller
Über den:die Autor:in

Natascha Koller

Gründerin und Leiterin des DAKOTA Instituts und der DAKOTA Akademie, Mediatorin, Supervisorin, Ausbildnerin für Lebens- und Sozialberatung, Lehrtrainerin in Kommunikations- und Konfliktmanagement sowie Trainerin für Stressmanagement und Burn-out-Prävention, zertifizierte Erwachsenenbildnerin (wba) | Natascha Koller arbeitet seit vielen Jahren in der psychologischen Beratung in ihrer eigenen Praxis in Salzburg. Sie kombiniert ihr tiefes Wissen in systemischer Beratung mit umfassender Erfahrung in der Erwachsenenbildung. Als Ausbildnerin und Lehrtrainerin ist sie in verschiedenen Weiterbildungsprogrammen tätig, mit besonderem Fokus auf Mental Health und Mindful Leadership. Besonders engagiert ist sie im Bereich Kommunikation, Konfliktmanagement, Stress- und Burn-out-Prävention sowie in der Mediation, wo sie friedensstiftende Prozesse in zwischenmenschlichen Konflikten unterstützt.